the (almost) daily appreciator

Wednesday, December 13, 2006

textual healing: Poeticus

when I get that feeling
I want textual healing...

...with "Poeticus" von Christian Senksis

Bei mir sind es "Tagträume" und die Antriebslosigkeit sich einfach mal hinzusetzen, und ...zu...schreiben...
Nach einem Einstieg, der zwar gut geschrieben ist (Satz für Satz), aber etwas langatmig ist, schraubt Christian das Tempo an. Sobald sich die Figur zu einer Karriere/"Berufung" zum Poeticus entschieden hat, hat der Rest des Textes etwas Atemloses: die Atemlosigkeit der überbordenden Phantasie, die Ideenüberflutung - das kennt wohl jeder, der versucht kreativ zu sein; genauso kennt wohl jeder dieses "VERSUCHT kreativ zu sein" - es ist deprimierend.
Und genau das ist es, warum ich eine Ähnlichkeit zu den anderen Geschichten gesehen habe - sicherlich: hier geht es nicht um einen Kleinbürger, der aus seinem Alltag ausbricht, und daran dann scheitert - stattdessen geht es um einen Akademiker, einen Criticus (aka Poeticus diaboli), einen Freigeist, der an die Grenzen seines freien Geistes stößt, der aus SEINEM Alltag ausbrechen will - und daran scheitert! Während Herr Sendemann (aus "Erschöpfergeist") "Ideen" hat, die wenig mit "richtiger" Kreativität zu tun haben, hat der Poeticus beim Versuch "richtig" kreativ zu sein keine Ideen, nur um dann von seinem Unterbewusstsein die lange Nase gezeigt zu bekommen. Das Interessante an Christians Stil ist, dass diese Schreibblockade so atemlos beschrieben wird, genauso wie die Träume, dennoch sind diese Ideen alle nichts besnderes - ich weiss nicht ob er bewusst schwammig ist, aber es passt einfach, das der Poeticus solche Allgemeinplätze wie "Einblicke in dieses und jenes, sowie Erkenntnisse über jenes und dieses" besetzen will. Höchstwahrscheinlich scheitert er gerade am Anspruch der Welt Zeilen und Verse schenken zu wollen, "wie sie noch nicht gelesen worden waren."

2 Comments:

Blogger Senksis said...

Die Schwammigkeit ist tatsächlich bewusst gewählt und soll nur andeuten, dass da in ihm etwas Größeres schläft (im wahrsten Sinne des Wortes), zu dem er aber keinen bewussten Zugang findet. Wenn ich diese Ideen wiedergäbe, an die er sich beim Erwachen nicht mehr erinnert, wäre das perspektivisch ein logischer Fehler. In Sachen Atemlosigkeit bin ich nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe - darüber können wir uns ja mal unvirtuell unterhalten. Der Vergleich mit Erschöpfergeist leuchtet mir allerdings ein, gefällt mir sogar. Demnach wäre der Poeticus so eine Art Anti-Sendemann oder besser noch: Herr Sendemann wäre der Anti-Poeticus.
;o) ...nebenbei könnte ich vielleicht erwähnen, dass ich den Poeticus aus einer Schreibblockade heraus geschrieben habe... ;o)

9:14 AM  
Blogger tomdwayne said...

du wirst es nicht glauben, aber das mit der schreibblockade hab ich mir schon fast gedacht. zumindest ist es ein sehr gutes stück über schreibblockade - scheint eine gängige art zu sein mit sb umzugehen - darüber schreiben

2:07 PM  

Post a Comment

<< Home